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Das Märchen vom User auf der Linse

Es war einmal ein ganz normaler User, der für sein Leben gern fotografierte. Jetzt wollte er mit seinen Fotos aber nicht bis zum Rest seines Lebens alleine bleiben, sondern sie mit möglichst vielen Menschen teilen. Also wurde er, wie es zu der Zeit üblich war, Mitglied in einer Foto-Community namens worldwide-photoscene.de. Und da stellte er nun seine schönsten Fotos aus und ging schlafen. Er legte sich bequem auf seinen großen Stapel Fotos und hoffte von Erfolg und Lob zu träumen. Als er aber morgens erwachte, hatte er am ganzen Körper große Schmerzen, denn er hatte gar nichts Schönes geträumt, sondern nur beängstigende und schlechte Träume gehabt. Den ganzen Tag gingen ihm die Begriffe Datenschutz, Anonymität, großer Bruder und Google durch den Kopf und er konnte gar nicht glücklich sein. Was war geschehen?

Eine wahre Geschichte: unterschiedliche User der worldwide photoscene.de, die sich ganz normal registriert haben und ihre Fotos der Community vorstellen sind plötzlich entsetzt, weil sie bei „GOOGLE“ gefunden werden. Höre ich richtig? Andere sind jetzt plötzlich verantwortlich, weil sie selber sich freiwillig im Portal eingetragen und mit Profil nach außen gezeigt haben? Das ist ungefähr genauso einleuchtend, wie erst in die Schule gehen und dann nach dem ersten Jahr auf den Lehrer böse zu sein, weil man jetzt die bösen Nachrichten in der Zeitung lesen kann … … oder: nehmen wir mal an, die eigenen Eltern müssten uns erst fragen, bevor wir geboren werden können – die Menschheit wäre längst ausgestorben …

Tatsache ist: dass einige User sogar mit dem Anwalt drohen, damit ALLES im Internet von Ihnen entfernt wird und der Webmaster soll das jetzt bitteschön tun. Bitte gut aufpassen: Es ist nicht möglich! Immer wenn wir im Internet aktiv werden, hinterlassen wir Spuren, die nicht mehr einfach zu tilgen sind. Sie können sich vordergründig löschen lassen, Ihren Account im Portal aufgeben oder sogar mit dem Anwalt drohen, es ändert nichts daran, dass Sie zuerst selber aktiv waren – sprich: also der Verursacher Ihrer eigenen Spuren sind und auch für den Rest Ihres Lebens bleiben werden. So einfach ist das – auch wenn Sie das möglicherweise bisher nicht so verstanden haben.

Deswegen also diese drastische Erklärung – damit Sie sehen, dass niemand daran interessiert ist, Sie in die Pfanne zu hauen, wie man so schön sagt, sondern dass Ihnen ja dadurch sogar die Möglichkeit zur Vermarktung und zur größeren Aufmerksamkeit gegeben wird. Denn das ist eine der großen Möglichkeiten unserer Zeit: gefunden werden und nicht selber ständig suchen müssen. Alle Marketing-Maßnahmen, die so mit Hilfe des Internets erfolgen, können enorm effektiv sein und Leute zu Ihnen bringen, die Sie nie im Leben kennenlernen würden. Sie wollen Ihre Fotos ja zeigen, sonst würden Sie ja nicht von sich aus aktiv werden, oder?

Aber da ist noch die Sache mit dem Datenschutz, mit den Adressen, mit der Angst vor Übergriffen, stimmt‘s? Machen Sie sich da nur nicht zu viele Gedanken, Sie sind ohnehin schon total vernetzt, Sie sehen das nur nicht. Politik, Wirtschaft, Behörden und viele anderer haben Ihre Daten schon lange erfasst und arbeiten damit, da sind die paar Aktivitäten in der Foto-Community nicht einmal eine homöopathische Dosis. Jetzt sagen Sie bitte nicht: Ich bin der Kunde, ich will bestimmen. Das ist eine reine Illusion, allenfalls eine Konstruktion des Gehirns, das versucht, Ihnen die Begleitumstände des Lebens so angenehm wie möglich erscheinen zu lassen. Im Grunde wollen Sie nämlich ALLES, aber NICHTS dafür geben.

Gibt es sie die Eierlegende Wollmilchsau? Wenn der „gesunde Menschenverstand“ auf Wunschdenken stößt, das allen Erfahrungen widerspricht, haben wir es mit einer nichtlösbaren Situation zu tun, die wir erst ändern können, wenn wir nicht versuchen, alles auf einmal zu bekommen. Dazu gehört auch jede Darstellung im Internet, von der wir hoffen, dass sie keinerlei Spuren hinterlässt. Moderne Datentechnik ist komplex und perfide, es gibt nur eine einzige Möglichkeit langfristig nicht bei Google und Co. zu erscheinen: KEINE Aktivität! Aber dann müssen Sie Ihre Fotos eben aus der digitalen Welt weglassen und ganz normale Fotoausstellungen bei Ihnen in der Gemeinde oder in einer kleinen Galerie veranstalten. Nur auch das wird Sie nicht vor dem Internet schützen, irgendjemand stellt Sie garantiert in den lokalen Online-Veranstaltungskalender ein – mit vollem Namen und Ihrer aktuellen Kurzbiographie. Ruhig bleiben und das Atmen nicht vergessen. Punkt.

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